Mein Corona-Tagebuch Freitag, 13. März, Tag 11

Als erstes teilt mir meine Tochter mit Tränen in den Augen mit, dass ab Montag bis auf weiteres die Schule schließt. Also ist heute unerwartet der allerletzte Schultag meiner Tochter, denn sie macht in diesem Jahr Abitur.

Jetzt sollte eigentlich der spaßige Teil der letzten Schulklasse beginnen. Betrogen um die Mottowoche und den „Abisturm“ der letzten Schultage. Sehr traurig, aber vielleicht kann das ja irgendwie anders noch nachgeholt werden.

Heute verlief der Tag in der Praxis ruhig. Es fühlt es sich an wie die „Ruhe vor dem Sturm“ oder wie das „Zurückweichen des Wassers vor dem Tsunami“. Emotional glaube ich, bin ich vorbereitet. Am Ende des Praxistages steht noch ein Hausbesuch im Altenheim an. Eine meiner betagten langjährigen Patientinnen klagt seit 2 Tagen über Bronchitis und muss abgehört werden. Die Krankenhäuser und Altenheime haben die Besuchszeiten eingeschränkt, was sich darin äußert, dass sich die Haupteingangstür nicht mehr automatisch öffnet sondern per Hand geöffnet werden muss. Ist echt schwer und einer der Bewohner bekommt die sicher nicht so leicht auf. Gleich dahinter steht ein Desinfektionsständer und ich werde aufgefordert, meine Hände zu desinfizieren. Meiner Patientin geht es schon etwas besser als am Vortag und weitere Maßnahmen sind aktuell nicht erforderlich. Sicherheitshalber lasse ich ein Rezept über ein Antibiotikum da, was bei Verschlechterung angesetzt wird. Die Schwester erzählt mir, dass sie große Probleme hat, ihre 2-jährige Tochter ab Montag zu versorgen. Im Haus sind mehrere Pflegekräfte betroffen und der Arbeitgeber bemüht sich um eine Lösung. Die alten Großeltern (für diejenigen, die das haben) sollten nicht aktiviert werden. Alles nicht so einfach.

Und dann mein wöchentlicher Einkauf: das letzte Mehl und den letzten Reis kann ich ergattern. Beruhigend ist, dass es ausreichend Milch und Eier gibt. Und übrigens es gibt auch genug Klopapier. Meine beiden Söhne kommen heute auch nach Hause. Die Uni schließt bis auf weiteres und mein Ältester hat Home-Office im Praktikumssemester. So sind wir schneller wieder vereint, als erwartet und ich bin froh, dass alle zuhause sind.

Veröffentlicht von Dr. Claudia Thiel

Ich bin Ärztin für Innere Medizin und Ernährungsmedizinerin. Meine Mission ist es, Menschen zu helfen, durch eine geeignete Ernährung gesund zu bleiben oder Krankheit zu heilen.

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